Zweiter zweiter Übungszyklus

Ich habe euch (und mich selbst) gnadenlos angelogen. Ich hatte behauptet auf eine erneute lange Hibbelphase vorbereitet zu sein. Ich hatte gedacht, dass ich diesmal alles viel cooler angehen kann.

Doch eigentlich bin ich diesen Zyklus noch unerträglicher gewesen als noch vor meiner Schwangerschaft. Ich will gar nicht wieder in dieses Gedankenkarussell einsteigen, aber es passiert einfach. 

Und so testete ich schon bei ES + 11, weil mir mein kleiner Computer die Möglichkeit dessen anzeigte. Negativ. „Na ja“, dachte ich, „es ist ja auch noch sehr früh.“ Ich bildete mir munter Symptome ein, um nachher sagen zu können: „Ich habe es ja sofort gewusst!“ Ich malte mir schon aus, wie ich meinem Mann einen kleinen Body mit Aufschrift „Made in …“ gebe. Doch am ZT 26 zeigte der Test wieder negativ an. 

Und wenn ich etwas gut kann, dann mich an kleine Hoffnungsschimmer klammern: „eigentlich ist ja noch nicht NMT.“ Schließlich musste ich ja auch die ganze Zeit aufstoßen…

Pustekuchen. Heute morgen dann der dritte negative Test an ZT 30 und abends begann nun der ÜZ Nr. 3. 

Hallo Boden der Tatsachen, hier bin ich wieder.

Ein Urlaubstag aus dem Leben eines 11-Monatigen

7:55 Was für eine harte Nacht. Ich bin so müde, ich könnte jetzt noch so 5Stunden schlafen.

7:58 Wach!!! Ich bin wach, wo ist denn jetzt die Action? Ach da ist ja Mutti, die freut sich doch immer so mich zu sehen. Ich piekse ihr mal in die Augen, damit sie weiß, dass ich wach bin. Essen könnte ich auch.

8:00 Bäh! Alles nass hier, dabei habe ich doch nur die drei Fläschchen von heute Nacht wieder raus gelassen. Jetzt muss aber auch echt Frühstück her, wenn ich gerade mal ans Essen denke.

8:10 Man ey, immer dieses liegen bleiben für dieses An- und Ausziehen… So nervig…

8:30 Ich geh dann mal mit Mutti Brötchen holen. Von ihrem Rücken aus habe ich alle Leute im Blick. Die Lächeln auch immer alle so freundlich. Manche sehen so komisch aus, dass ich laut loslachen muss.

9:00 Frühstück! Papa, rück raus mit meinem Brötchen!!! Banane könnt ihr ruhig auch schon hinlegen, nehme ich mir gleich weg. Danke. Nomnomnom.

Lässt sich auch suuuuper damit herum spielen. Mal gucken, wie oft die Alten mir heute alles vom Boden aufheben.

9:45 Jetzt gibt es zum Nachtisch diese leckere Zahnpasta. Mama albert dabei immer ganz ulkig herum.

11:00 Sitze in meinem mega coolen Bollerwagen. Damit bin ich das coolste Baby der Insel. Ich winke den Leuten freundlich zu, bin ja trotzdem auf dem Boden geblieben.

11:05 My Burg is my Castle. Gut, dass Papa wieder frischen Sand aufgeschippt hat, nun kann ich auf dem Wall herum klettern. 

Doch nein, meine olle Mutti kommt schon wieder mit der weißen Gatsche und schmiert das Zeug überall hin. Ich lasse meinem Unmut Luft, nun wissen auch alle umliegenden wie doof ich Sonnencreme finde. Wenigstens kann ich nun nur in T-Shirt und Sonnenhut krabbeln.

11:40 Unbemerkt schleiche ich mich aus der Burg und sprinte im Vierfüßler in Richtung Meer. 

11:45 Okay, anscheinend hatte Mama mich doch im Auge. Als ich mal wieder mit dem Gesicht gebremst habe, hat sie mich in den Arm genommen und getröstet. Nun sind wir zusammen unterwegs zum Wasser.

12:15 Sitze stolz in meiner Schlammburg, die meine Untertanen vor der Flut zu schützen versuchen. Als ich ein Loch im Bauch verspüre, strecke ich die Arme in Richtung Mama.

12:20 Brrrrr! Kalte Dusche!!!! Brrrrr! Aber ich bin hart im Nehmen! Hauptsache es kommt langsam mal was durch die Fressluke gewandert.

12:30 Nomnomnom. Essen mit Aussicht, herrlich! Ich danke meiner Mama mit einem breiverschmierten, schön nassen Kuss auf ihre Wange. Sie lacht, schmiert sich dann aber unverschämterweise meinen Kuss weg. Pöh!

13:00 Die Sonnencreme-Tortur beginnt von vorn…

13:30  Liege im Bollerwagen und teile Mama lautstark mit, dass sie gar nicht erwarten braucht, dass ich jetzt einschlafe…

13:35 Schnarch….

15:00 So langsam riskiere ich mal einen Blick. Bollerwagen wurde zusammen mit mir an der Promenade abgestellt. Strample ein wenig mit den Beinchen. Sofort kommt meine mama herbei geeilt.

15:03 Papa baut eine Kullerbahn in unseren Burgwall. Allerdings macht er das total falsch und ich zeige ihm wie man das richtig macht.

15:30 Sitze im Strandkorb und schreie ganz laut, damit das Vesper schneller kommt. Heute gibt es Pfirsich. Ich liebe Pfirsiche! Deswegen esse ich auch den ganzen Pfirsich ganz alleine. Nur Mama bekommt zwei Bissen ab.

16:00 Schon wieder eincremen…

16:15 Zusammen mit Mama und Papa stürze ich mich in die Wellen. Dabei halte ich Mama vorsichtshalber ganz doll fest, damit sie mir nicht weg gespült wird.

16:30 Kaaaaaalte Dusche! 

16:40 Wie oft muss ich denn noch sagen, dass ich das weiße Zeug nicht mag? Dafür pullere ich erstmal ordentlich auf das Handtuch, so!

17:15 Aufbruchstimmung. Ich gucke meinen Eltern immer ganz gespannt beim Einpacken zu.

17:25 Lasse mich nach Hause kutschieren und übe dabei ein paar Stunts. Mama verdirbt mir den Spaß und sagt, ich darf nicht im Bollerwagen stehen. Dann schaue ich mir eben diese tolle Windmühle an.

17:30 Stehen schon eine gefühlte Ewigkeit vor diesem Supermarkt. Bin gelangweilt und quängele, damit das auch alle wissen.

17:45 Zu Hause begrüße ich erstmal alle Einrichtungsgegenstände, während nebenbei mein Abendbrot zubereitet wird. Ich ziehe mich gerne überall hoch. Aber irgendwie bin ich schon so müde, dass ich ganz tollpatschig werde.

18:00 Bin dolle hingefallen und Mama tröstet mich. Zum Glück ist mein Abendbrot fertig. Mein Magen knurrt.

18:15 In meiner Badewanne bin ich Kapitän! Ich liebe es einfach im Wäschekorb zu planschen! Anschließend gibt es wieder lecker Zahnpasta.

18:45 Menno. Ich HASSE das abendliche Wickeln und Anziehen. Außerdem jucken meine Augen so sehr.

19:00 Liege mit Milchflasche im Buggy und lasse mich noch über die Promenade schieben. Gucke mir alles interessiert an, hier tobt ja der Bär.

19:30 Augen… Fallen… Zu…

22:00 Werde wach als Mama mich ins Bettchen legt. Sie bringt mir ein Fläschchen und schuckelt mich noch.

3:30 Wo bin ich? Wo ist Mama? Ich ruf sie mal…

3:45 Liege an Mama gekuschelt im großen Bett. Habe nochmal eine Flasche und eine frische Windel bekommen. Mama atmet mir in den Nacken, das fühlt sich so schön kuschlig an.

5:25 Noch eine Flasche, bitte! …aber zackig!!!

7:55 ..Was für eine harte Nacht. Ich bin so müde, ich könnte jetzt noch so 5Stunden schlafen.

(…)

Das erste halbe Jahr mit Baby

Der erste Atemzug, der erste Tag, das erste Kennenlernen, … Das erste Jahr ist voller erster Male und vermutlich wird kein anderes Lebensjahr so voll gepackt davon sein. An mein persönliches erstes Lebensjahr kann ich mich nicht mehr erinnern, doch mein erstes Jahr als Mama ist sicherlich fast genauso aufregend. Weil ich bis zum Geburtstag meines Sohnes noch das eine oder andere erste Mal erwarte und alles für einen Beitrag zu viel wäre, kommt hier nun das erste halbe Jahr mit Baby für euch im Schnelldurchlauf (was quasi an das Originaltempo sehr nahe heran kommt):

August

Am 26.08. setzen nachts die Wehen ein, am 27.08. wird unser Sohn geboren. Noch am selben Tag werden wir verlegt. Die ersten Tage verbringen wir bis auf kurze Ausnahmen am Inkubator. Im neuen Krankenhaus fühlen wir uns überhaupt nicht wohl. Obwohl es nur wenige Tage sind, kommt es uns wie eine Ewigkeit vor – vermutlich auch deswegen, weil Tag und Nacht irgendwie ineinander über zu gehen scheinen.

September

Gleich am 01.09. geht es nach Hause, dort geht es weiter mit schlaflosen Nächten. Familienstreit. Kontaktsperre.

Wir lenken uns bei unserem ersten Familienausflug ab. Das Stillen klappt immer besser, auch in der Öffentlichkeit. Weitere erste Male: das erste Lächeln, das erste Bad. Der Bauchnabel fällt ab.

Mir machen die Hormone zu schaffen: Nachrichten  kann ich nur unter Tränen schauen.

Mein Mann fängt wieder an zu arbeiten.

Oktober

Das Holztrapez weckt helle Begeisterung beim Baby. Irgendwie kehrt langsam Alltag ein und trotzdem fühle ich mich oft überfordert, weil die Tage viel zu kurz sind.

Wir fahren das erste Mal mit den Öffis in die Stadt, wo wir Jahreskarten für den Tierpark kaufen. (Ich weiß… Tierpark… Aber irgendwie bin ich zu gerne dort…) Aus dem Kinderwagen/ der Trage/ dem Tuch gucken mich beim Spazieren immer öfter wache Augen an.

Ich finde Gefallen daran, mir mit meinem Baby meine alten Kinderkassetten und CDs anzuhören. Er liebt es, wenn ich laut mitsinge und tanze.

Arztbesuche nerven viel zu oft: 1. Impfung und Hüftsono meistert er mit Bravour. Beim Hüftsono schietert mein Kind natürlich erstmal volle Karotte auf die Liege.

Ich pumpe fleißig Milch ab und traue mich einen Vormittag sogar raus und lasse die Männer allein zu Haus.
November

Ich lege das Baby öfters auf den Bauch, damit er trainiert sein Köpfchen zu halten.

Nachdem ich eine Woche lang ganz nach Herrn Largo Protokoll geschrieben habe, führe ich feste Mittags- und Nachtschlafzeiten ein. Dazwischen verteilst er seine Nickerchen wie es ihm gefällt. Ich selbst leide trotz chronischer Müdigkeit unter Einschlafproblemen.

Erste Male: mit dem Tuch auf dem Rücken tragen, Rückbildung und Babymassage, vom Bauch auf den Rücken drehen, im Pool planschen, Urlaub, das Meer sehen

Lichter faszinieren das Baby (gefühlt) stundenlang. Und da er das Trapez nun alleine anschaukeln kann, kann er sich dort eine ganze Weile selbst beschäftigen.

Mir fehlt noch 1/2 kg bis zum „Startgewicht“.

Wir besuchen meine Kolleginnen und Kollegen auf der Arbeit. Ich bekomme eine Babydecke und Duschbad geschenkt. Sein Name ist auf die Decke gestickt. Er ist falsch geschrieben.

Unser Haus wird immer babygerechter.

Dezember

Weil ich zur Weihnachtsfeier meiner Arbeit fahre, muss das Baby das erste Mal ohne mich einschlafen.

Auf dem Wickeltisch haben wir immer viel Spaß, er startet immer gut gelaunt in den Tag. Er brabbelt und faucht mich schon richtig an.

Ich wünsche mir wegen des starken Haarausfalls und der unreinen Haut die Schwangerschaftshormone zurück.

Die Kinderärztin nervt mich, dass ich mit Beikost anfangen soll und unbedingt auch gleich mit Fleisch.

Das erste Weihnachten kommt ganz klassisch mit Plätzchen backen und Weihnachtsmarkt daher. Wir feiern zu Hause mit allen Großeltern. In der Kirche schläft das Baby nach nur wenigen Kilometern im Tuch friedlich ein.

Auch sonst weint er momentan sehr viel, ohne Tuch/Tragehilfe wäre ich aufgeschmissen. Nachts ist der Hüpfeball unser bester Freund. Das Schlafzimmer haben wir nun für uns alleine, den Vater habe ich ins Gästezimmer geschickt. Baby und Schnarchy zusammen geht gar nicht.

Silvester ist noch ruhiger als sonst. Die ersten Minuten des Feuerwerks gefallen dir, leuchtet ja auch. Aber als es zu sehr qualmt und zischt, verkrümeln wir uns. Viel Schlaf bekommen wir nicht.

Januar

Er lacht sich schlapp über Eskimoküsse. Die Brustwarze findet er nun schon alleine, das Anlegen geht so in Null Komma Nix.

Den Kinderwagen im Schnee zu schieben ist Schwerstarbeit!

Das Baby dreht sich nun vom Rücken auf die Seite und lacht sich selbst im Spiegel an.

Beim Kanga und im Beikostkurs findet schon richtig Interaktion zwischen den Babys statt. Beim Babyschwimmen eher weniger, dafür jauchzst und planschst er als gäbe es nichts schöneres für ihn auf dieser Welt.

Wir begeben uns nach einer kleinen Finanzspritze auf Haussuche und haben viele Termine.

Der kleine Mann ist sehr quängelig und will eigentlich den ganzen Tag getragen werden – und wird es auch.

Unser Tauftermin steht fest.

Februar

Ich bin irgendwie ständig dabei, Klamotten ein und auszuräumen. Nun passen schon die 74er!

Wir verbringen die meisten Tage damit, andere Mamis mit ihren Babys zu besuchen.

Mein Mann wird gekündigt. Nun halten uns neben dem Baby auch die Sorgen wach.

Wir haben die große Nichte zu Besuch und verbringen zwei tolle Tage mit ihr.

Unser Baby probiert das erste Mal Brei und fängt am selben Tag an sich zu drehen. 

„Ma“ ist seine Lieblingssilbe und steht in unterschiedlichen Variationen für Schnuller, Hunger, Mama und auf den Arm wollen.

Am liebsten spielt er „Kuckuck! Bah!“ und zieht sich schon alleine das Tuch vom Gesicht.

Zum Ende des Monats sind wir zum ersten Mal alle drei krank.

Es ist Schaltjahr! Das ist seit dem letzten 29.02. (in 2012) an Meilensteinen geschehen:

  • 01.09.12 Wir heiraten!
  • 26.04.13 Mein Patenkind wird geboren!
  • 27.08.15 Unser Sohn wird geboren!

Das erste halbe Jahr war das anstrengendste meines jungen Lebens und es war zugleich wohl auch das schönste. Noch nie war ich so erfüllt von Liebe und Dankbarkeit.

Der zweite erste Übungszyklus

Wie schon erwähnt, ist bei uns nun Baby Nr. 2 geplant. Ich persönlich habe mich für die nächste Odyssee gedanklich gewappnet, wenn auch mein Mann ganz fest damit rechnet, dass es diesmal schneller klappt (und ich mir das natürlich auch wünsche).

Eine gute Freundin hat mir, weil ich ihr von meiner Angst vor den tiefen KiWu-Löchern erzählt habe, ihren Clearblue Zykluscomputer ausgeliehen. Über meine Erfahrungen mit dem Gerät will ich dann auch noch berichten, darum soll es heute noch nicht gehen. Jedenfalls zeigte mir dieses Gerät keinen Eisprung an, also war ich vom Einsetzen der Periode heute Morgen nicht überrascht. Zu mindestens war es kein 50-Tage-Zyklus wie ich sie vor der Schwangerschaft hatte. Laut Anleitung sind bis zu zwei Zyklen ohne Eisprung in Folge ganz normal, ab dem dritten sollte man zur Aufklärung zum Frauenarzt. Die Pessimistin in mir sieht sich natürlich schon im Wartezimmer sitzen.

Jedenfalls sind wir nun beim ET 22.04.17 – klingt schon nach grillen und Kindergeburtstag auf dem Spielplatz. In meinen kühnsten Träumen fände ich einen ET im Juni super toll (wie auch schon bei Baby Nr. 1, aber es ist dann August im Jahr darauf geworden…) Letztendlich freue ich mich einfach, wenn es überhaupt klappt und noch mehr, wenn es noch in diesem Jahr sein sollte.

Und wenn ich es nun mit dem ersten ersten Übungszyklus vergleiche? Ich weiß noch, wie hibbelig ich war und sofort nach 28 Tagen einen Test machte in der festen Überzeugung, dass es doch bestimmt geklappt hat. Diesmal bin ich einfach froh, dass der Zyklus so kurz geblieben ist und ich auf den nächsten hoffen kann. Wenn mich ein „max“ auf dem Computer anstrahlt, bin ich fürs erste schon absolut mit mir im Reinen.

Was zugenommen hat, sind die Ängste, dass ich mit der nächsten Schwangerschaft eine Fehlgeburt erleiden könnte. Zu viel habe ich mich mittlerweile informiert und von zu vielen Schicksalen erfahren. Warum sollte ausgerechnet ich von diesem Unglück, dass doch so vielen Familien widerfährt, verschont bleiben? Ich versuche das aber erst einmal von mir weg zu schieben.

Als letzte Randnotiz noch: der erste Übungszyklus war der dritte Zyklus seit Schwangerschaft. 

Das Wochenbett – Rückblick und Tipps

Neun Monate lang habe ich mich auf meinen Sohn gefreut, neun Monate lang hatte ich Angst vor der Geburt. Die Zeit danach hatte ich irgendwie komplett ausgeblendet. „Wochenbett“ – ja klar, davon hatte ich im Geburtsvorbereitungskurs gehört oder auch in Blogs. Klar wusste ich vom Babyblues, aber DARAUF war ich echt nicht vorbereitet. Nie hätte ich gedacht, dass mir dieses Thema so unter den Nägeln brennen würde, um einen eigenen Beitrag darüber zu schreiben. Irgendwie empfinde ich nämlich so, dass darüber viel zu wenig informiert wird. Aber ist ja auch schwierig, so hat doch jeder sein eigenes Päckchen zu tragen.

Mein Wochenbett – ein Rückblick

Lange habe ich euch über die Zeit nach der Geburt im Dunkeln gelassen. Ich selbst habe die Zeit aber auch nicht viel heller erlebt, einiges ist auf uns eingeprasselt.*

Die Geburt hat mich dann doch recht viel Kraft gekostet. Ein paar Verletzungen und ein recht hoher Blutverlust führten dazu, dass ich, im Familienzimmer angekommen, ziemlich klapprig auf den Beinen war. Alleine laufen oder das Kind wickeln war nicht drin. Ich genoss es, das kleine Bündel mit im Bett liegen zu haben. Mein Mann informierte die Familie und Freunde und packte die Sachen aus.

Zwischendurch kamen immer wieder Schwestern die meinen Sohn und mich untersuchen. Eine Kinderkrankenschwester stellt eine erhöhte Atemfrequenz fest. Gleichzeitig erhöht sich die Frequenz der Untersuchungen. Einen Wimpernschlag später, eigentlich waren es einige Stunden, sagt mir die Kinderärztin, dass wir verlegt werden müssen. Tränen rollen über mein Gesicht. Mein Sohn wird ins Untersuchungszimmer gebracht, wo er für den Transport vorbereitet werden soll. Ich tappere langsam hinterher. Ich bekomme einen Rollstuhl angeboten, ich weine und weine. Für mich soll ein extra Krankenwagen kommen, neben dem Inkubator ist kein Platz für mich oder meinen Mann. Zum Glück treffen beide Wagen gleichzeitig ein. Ich kann nicht aufhören zu weinen, es fühlt sich so falsch an. Wieso kann ich nicht bei meinem Kind sein?

Im neuen Krankenhaus riecht es ganz anders. An der Decke hängen Neonlampen, die an mir vorbeiziehen während ich durch die Gänge geschoben werde. „Gynäkologie“. Eine Frau schiebt ein Beistellbett. Wieso bin ich das nicht? Wieder eine Träne. Die Stationsschwester gratuliert mir freudestrahlend. Es fühlt sich wie ein schlechter Scherz an und ich muss wieder weinen. Anstatt eines Familienzimmers habe ich ein Zweibettzimmer. „Noch sind se janz für sich allein, wohin wollen se?“ …“zu meinem Kind“, denke ich. Doch heraus kommt nur ein Schulterzucken und ich werde an die Fensterseite geschoben.

Auf dem Tisch steht Abendbrot für mich. (Es ist 22Uhr und ich habe seit über 24h nichts gegessen.) Irgendwann kommt mein Mann ins Zimmer und berichtet von der Neonatologie. Er fährt nach Hause, bleiben darf er nicht. Ich schlafe tatsächlich irgendwann weinend ein, ohne meinen Sohn, ohne meinen Mann.

So begann mein Wochenbett. Die folgenden Tage wurden besser, unserem Baby ging es schnell besser. Doch die Trennung, das Abpumpen, das Hände desinfizieren um mein Kind besuchen zu dürfen, die Berührungsängste, der Schnuller der ohne Absprache plötzlich in seinem Inkubator lag, Schläuche, Medikamente – das hat sich alles eingebrannt. Diese Dinge sind präsenter als die Geburtsschmerzen.

Neugeboreneninfektion – sie ist gar nicht selten und doch hat mich niemand darauf vorbereitet. Im Nachhinein wissen wir, dass es eine beidseitige Lungenentzündung war. Ich bin unendlich dankbar, dass alles so glimpflich verlaufen ist. Oft mache ich mir Vorwürfe, ob ich vielleicht irgendwie Schuld daran habe. Vielleicht ein unbemerkter Blasenriss als ich am ET nach dem Bus gerannt bin? 

So schrecklich wie die Zeit auf der Neonatologie war, das Gefühl nun selbst für dieses wundervolle Wesen verantwortlich zu sein war angsteinflößend! Die ersten Nächte, Nachwehen, Milcheinschuss, die Stillprobleme – ohne meinen Mann wäre ich vermutlich aus dem Fenster (Erdgeschoss) gesprungen und einfach weg gelaufen. Besonders präsent ist mir noch die Szene am Abreisetag (01. September 2015) – als unser Sohn schrie beim Anschnallen in der Babyschale, hatte ich wortwörtlich körperliche Schmerzen, alles krampfte sich zusammen. Mein Mann schickte mich raus und kümmerte sich fürsorglich.

Und so stand das Beistellbett die ersten Nächte auch an der „falschen“ Seite. Ich konnte einfach noch nicht. Doch zu Hause kam die Bindung dann Tag für Tag ein bisschen mehr. Es ging mir besser.

Dann kam was kommen musste – die ganzen Probleme in meiner Familie, die wir mir zu liebe unter den Teppich gekehrt hatten, tauchten jetzt wieder auf und hauten uns von den Beinen. Ich war wieder bei Null. Ich weinte fast den ganzen Tag. Als sich das dann auf die Milchproduktion niederschlug, empfahl meine Hebamme einen Kontaktstopp. Handy aus, Tür zu. Das half zwar im Hinblick auf meine Familie, verletzte seine Familie aber natürlich sehr.

Nach zwei Wochen öffneten wir dann wieder die Pforten. Die Besuche taten mir gut, es fühlte sich normal an. Ein Gespräch mit meinen Eltern glättete die ersten Wogen. (Wobei ich erst vor kurzem einen Schlussstrich darunter ziehen konnte, mit meiner Schwester ist noch immer einiges im Argen.)

Die körperliche Heilung zog sich auch eine Weile. Natürlich nahm ich auch noch einen Pilz mit, weil ich die falschen Einlagen mit Folie gekauft hatte.

Doch am 1. Arbeitstag meines Mannes war für mich eigentlich das Ende des Wochenbetts gekommen, zum ersten Termin der Rückbildung fühlte ich mich in der Rolle als Mama angekommen.

So war es bei mir, so war es beim ersten Kind. Meine Schwägerin sagte mal „Beim ersten Kind wird die Welt auf den Kopf gestellt. Beim zweiten steht sie ja dann schon Kopf!“

Rückblickend bin ich froh, dass die Zeit vorbei ist und ich bin traurig, dass wir sie nicht mehr genießen konnten. Ich bin dankbar, dass mein Sohn so schnell wieder gesund war. Ich bin wütend, dass gerade meine Familie mich so verletzt und im Stich gelassen hat. Und ich bin stolz, dass das alles meinen Mann und mich noch enger zusammen geschweißt hat. Wir haben viel geredet und unsere Gefühle klar formuliert, denn sonst hätten sie sich sicher überschlagen.

Meiner Meinung nach nimmt das Wochenbett all deine Probleme und Schwächen, potenziert sie und schleudert sie dir links und rechts um die Ohren.

Gerne möchte ich euch mit meinen persönlichen Tipps ein wenig dafür wappnen:

vorher

  • Essen vorkochen
  • „Besucherfrage“ klären, sei egoistisch! (wer? ab wann?)
  • Probleme unter dem Teppich hervor holen und bereinigen
  • einkaufen: 
  • Inkontinenzunterlagen für Bett, Couch, Auto
  • Einlagen OHNE Folie (z.B. Strampelpeter)
  • Netzhöschen (oder aus dem KH ein paar mehr mitnehmen)
  • Hygienebeutel (ich habe den Geruch der Einlagen im Badezimmermüll als sehr unangenehm empfunden)
  • Spülbecher (zum Verwässern des Urins, falls euer Duschkopf bis zur Toilette reicht, geht das auch)
  • Nachtlicht (zum Stillen)

Dabei

  • Blick immer nach vorne richten: es wird besser!!!
  • Sonne (wenn vorhanden)
  • Essen bestellen, Haushaltshilfe in Anspruch nehmen (zB boo-a-tiger), Besucher auffordern essen mitzubringen
  • nach dem Duschen separate Handtücher für die Brüste und den Rest des Körpers nehmen um Brustentzündungen vorzubeugen
  • Fotograf(in) nach Hause holen
  • viel fotografieren und filmen, aber auch außerhalb des Bildschirms anwesend sein und die Momente im Herzen festhalten
  • nackig mit Baby im Bett bleiben so oft es geht
  • Liste mit Karten und Geschenken führen für die späteren Dankeskarten
  • Whatsapp-Gruppe gründen, damit man die Fotos nicht 10 mal verschicken muss

Was hat euch im Wochenbett geholfen? Wurdet ihr auch so überrollt? Oder seid ihr vielleicht direkt nach der Geburt wieder zum Alltag über gegangen?

Allen werdenden Mamas an dieser Stelle noch ein Schakka! Ihr schafft das! Alles wird gut.

*An dieser Stelle möchte ich noch schreiben, dass ich sehr dankbar bin, dass unser Weg vielleicht nicht nur auf lila Wölkchen entlang schlängelte, aber durchaus nicht der steinigste war. Ich fühle mit allen Eltern, deren Kinder nicht gesund mit nach Hause gekommen sind oder noch viel härter kämpfen mussten. Ich ziehe den Hut vor allen Alleinerziehenden oder den Eltern, die durch äußere Umstände nicht bei einander sein können. Und natürlich wage ich es nicht, mich mit Familien auf eine Stufe zu stellen, die z.B. auf der Flucht sind oder andere Widrigkeiten überwinden müssen. Für mich persönlich war es trotzdem eine schwierige Zeit, die ich mir anders gewünscht oder ausgemalt hätte.

Alles ein bisschen viel anders

Puh, hab ich echt so lange nicht mehr geschrieben? Ich könnte jetzt lang und breit erklären, wieso …. Oder ich lass es einfach und erzähle euch wie es derzeit hier aussieht.

Mein Sohn ist mittlerweile zehn Monate alt, hat zwei Zähne (zwei weitere sind gerade in Arbeit), eine volle Haarpracht, einen feinen Sinn für Humor (er liebt Pupsgeräusche!) und hasst schlafen.

Mein Mann ist derzeit auf Jobsuche und teilt quasi seit Februar die Elternzeit mit mir. Gerade sind wir für drei Wochen im Urlaub an der Nordsee. Ab September geht es dann wieder zur Arbeit und ich werde wohl in den nächsten zwei Wochen anfangen die Einladungen zum ersten Geburtstag meines Sohnes zu basteln.

Und noch eine Neuigkeit könnte auf diesen Blog passen und wird wohl in den (hoffentlich folgenden) Posts Thema sein: derzeit ist Baby Nr. 2 in Planung. Wir wünschen uns beide, dass zwischen 1 und 2 kein großer Altersunterschied ist und nach der Erfahrung aus dem ersten Produktionszeitraum starten wir lieber früher als später. 

Was erwartet euch also hier in Zukunft? Ein paar „Themenposts“ brennen mir unter den Nägeln:

  • Erfahrungsbericht Stoffwindeln
  • Von Babys und Freundschaften
  • Tragen ist Liebe
  • Meine Stillgeschichte (Muttermilchschmuck)
  • Rückblick aufs Wochenbett
  • Urlaub mit Baby
  • Erfahrungsbericht clearblue Fertilitätsmonitor
  • Rückblick auf das erste halbe Jahr mit Baby
  • Monat 7 – 12 mit Baby
  • Tops und Flops Babyerstausstattung

Daneben natürlich Updates zum Baby, zur Produktion und zum Gedankenwirrwarr. Für Themenvorschläge und -Favoriten bin ich natürlich offen.

Geburtsbericht

Die Geburt ist nun fast genau 8 Wochen her – es ist endlich Zeit für einen Geburtsbericht!
Liebe werdende Mamis, die ihr vielleicht meinen Blog lest: dieser Bericht eignet sich sehr, wenn euch die ganzen Berichte von Horrorgeburten Angst machen und ihr wieder etwas Mut braucht. Denn es kann auch so ablaufen:

00:00 Uhr

Ich liege – wie so oft in den letzten Wochen – auf der Couch, weil ich nicht schlafen kann. Ich spüre Kontraktionen und beginne die Abstände zu messen. Ergebnis: alle fünf Minuten. Kann das stimmen?

01:00 Uhr

Ich gehe baden, um die Wehen auf die Probe zu stellen. Das warme Wasser und der Ortswechsel tun gut. Die Wehen bleiben.

02:00 Uhr

Ich wecke meinen Mann, der mich ungläubig anguckt und sofort ins Krankenhaus losfahren will. Ich bin unsicher, wir gucken erst noch ein bisschen fern. Ich kann nicht mehr liegen. Mein Mann stoppt die Wehen.

02:30 Uhr

Erster Anruf im Kreißsaal, die Hebamme wimmelt uns ab. Sie hatte mich genau in einer Wehenpause erwischt und war überzeugt, dass es frühestens morgen Abend los geht. Ich soll mich schlafen legen (HAHA, witzig!).
Wir lassen noch eine Wanne ein, mein Mann stoppt weiter Wehen.
Ich pendle während der nächsten Stunden zwischen Toilette (Oh ja, der Körper hat sich entleert! Aber auch so tat es gut auf der Toilette zu sitzen.), Kühenarbeitsplatte und Schreibtisch. Ich halte mich während der Wehe fest, bewege mein Becken und atme bewusst. Es hilft mir auch etwas in die Knie zu gehen. Die Wehenabstände werden kürzer, ich traue mich aber nicht noch einmal im Kreißsaal anzurufen.

04:30 Uhr

Zweiter Anruf im Krankenhaus (diesmal mein Mann) – die Hebamme ist nicht überzeugt von meinen Wehen. Auf meinen Wunsch hin fahren wir aber trotzdem. Seine Nervosität steigt ins Unermessliche. Wir packen die Sachen, richten die Wohnung noch etwas her, ich vertöne die Wehen. Der Weg zum Auto war noch nie so lang!

05:10 Uhr

Wir fahren los, zum Glück sind die Straßen relativ frei. Ich töne meinem Mann die Ohren voll und kralle mich in mein Kuschelkissen. Jede Bodenwelle lässt mich zweifeln, ob die Wahl des Krankenhauses mit einer Stunde Fahrtweg die richtige war. Er setzt noch einen drauf und verpasst die Ausfahrt. Ich spüre, wie das Kind bei den Wehen mitarbeitet. Ich stelle mir den Muttermund als eine Art Rollkragen vor, durch den der Kopf sich schiebt.

06:15 Uhr

Ankunft im Krankenhaus – es ist natürlich kein Parkplatz frei. Mein Mann setzt mich an einem Pfeiler ab, wo ich noch zwei Wehen veratme, dann geht es rein.
Ich werde an das CTG angeschlossen. Obwohl es keine Wehen aufzeichnet ist das Liegen unerträglich. Genauso wie das Lachen der Hebamme (die Dame vom Telefon) beim Auswerten. „Haben Sie denn jemals eine Frau unter der Geburt gehört?“, fragt sie mich abschätzig. Ich befürchte einen Fehlalarm und breche in Tränen aus: „Wenn as nur Übungswehen sind, wie soll ich eine Geburt aushalten?“
Dann kommen die Wehen wieder stärker. Ich halte sie am besten auf der Toilette aus.

07:00 Uhr

Glücklicherweise haben die Hebammen Schichtwechsel. Als ich anfange zu bluten, gehen wir zu Hebamme Monika, die den Erstbefund ertastet: 4cm! Doch Geburt! Ich bin unendlich erleichtert.
Monika lässt im Kreißsaal eine Wanne ein, mein Mann hievt mich einmal vom Wehenzimmer über den Flur in das Geburtszimmer. Die Wanne ist eiskalt, ich will sofort wieder raus.
Es riecht angenehm. Die Weheniehen nun naturgewaltig alles zusammen und ich habe schon unglaublichen Pressdrang. Ich knie mich mit Hilfe meines Mannes vor das Bett. Da kommt Monika und tastet noch einmal den Muttermund: 8cm! (Wir haben jegliches Zeitgefühl verloren, daher keine Zeitangabe.) Kommentar der Hebamme: „Zum Frühstück ist er da!“
Dann wird noch ein CTG versucht. Dazu buchsieren mich Hebamme und Ehemann auf das Bett. Ich halte mich im Vierfüßlerstand an der Bettlehne fest. Er gibt sein bestes, den Knopf am Bauch zu halten, doch nach ein paar Wehen platzt die Fruchtblase. Monika holt die Ärztin und noch zwei Wehen später schreie ich: „Er kommt!“
Und dann darf ich auch pressen. Ein paar Wehen lang habe ich das Gefühl, dass mein Pressen nichts hilft. Alle im Raum reden mir gut zu, aber ich bekomme nichts mehr mit.
Ich darf in einer Wehenpause das Köpfchen tasten und schon bei der nächsten Wehe fühlt es sich an als Stünde mein Unterleib in Flammen. Ich wimmere: „Es brennt so!“

08:52 Uhr

Doch schon in der nächsten Wehe ist er da.

Er schreit nicht sofort (die Nabelschnur hatte sich um seinen Hals geschlungen), deswegen frage ich immer wieder: „Ist er da?“. Dann hören wir ihn und ich darf ihn zwischen meinen Beinen greifen und zur Brust nehmen. Als die Nabelschnur auspulsiert ist, die Fingerchen das erste Mal abgezählt sind und seine Augen uns das erste Mal angeschaut haben, schneidet mein Mann die Nabelschnur durch.

…und was danach noch so ansteht:

Die Nachgeburt war ein Witz. Einmal gehustet und alles war draußen. Aber beim Versorgen der Geburtsverletzungen (Schei.denriss und zwei Schürfungen) bin ich dann doch weg geklappt. Den Schmerz fand ich dann echt heftig (bevor die Spritzen gesetzt wurden).
Was ich wirklich unterschätzt habe, ist der enorme Blutverlust bei so einer Geburt. Wahnsinn!

An die Wehenschmerzen kann ich mich heute nur noch gedämpft erinnern, bzw. habe sie nicht als Schmerz in Erinnerung sondern als etwas ganz eigenes – eine Naturgewalt eben. Doch alle Schmerzen, die von außen eingewirkt haben (Dehnung des Damms, Versorgen der Wunden) sind noch präsent, genauso wie das Brennen als das Köpfchen heraus kam. Es kostet schon viel Willenskraft, in den Schmerz hinein zu drücken.

Ich glaube, vor einer zweiten Geburt hätte ich wieder genauso viel Angst. Nicht weil, es so schrecklich war, sondern weil ich es auch noch immer nicht glauben kann, dass tatsächlich ich das war, die all das überstanden und durchgemacht hat. Das muss irgendeine andere Frau gewesen sein, die viel tougher und stärker ist als ich.

Es gibt noch viel zu berichten von der Zeit danach. Ich hoffe, dass ihr darauf nicht zu lange warten müsst.

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Update | 41. SSW (24.08. – 26.08.2015)

Auch wenn das  Wort „Update“ nicht mehr so 100%ig zutreffend erscheint, will ich euch nicht mein Tagebuch der letzten Schwangerschaftstage vorenthalten:

Montag

Heute ist der „magische“ Tag – der errechnete Geburtstermin. Die Nacht war ziemlich ruhig und es geht kurz nach 8 Uhr los zum Krankenhaus. Mit Stau sind wir etwa eine Stunde unterwegs. Im Kreißsaal empfängt man uns sehr freundlich und ich liege am CTG im Wehenzimmer. Nach einem Blick auf die ersten Ergebnisse ermahnt mich die Hebamme mehr zu trinken. Auf der Wehenkurve sind sogar schon ein paar Ausschläge zu erkennen, Hebamme und Ärztin sind zufrieden. Auch beim Ultraschall macht der kleine Mann eine gute Figur. Die Ärztin und ihr Maschinchen rechnen ein Gewicht von 3890g aus. So langsam finde ich ja, dass er groß genug ist! Die Ärztin beruhigt mich aber: 10% Abweichung ist auch normal und das Gewicht sollte mir für die Geburt keine Sorge machen. Am Freitag haben wir im Krankenhaus den nächsten Termin.
Danach fahre ich mit meinem Mann (also eigentlich ja er mit mir) auf Arbeit. Beim Autofahren macht der Bauchbewohner besonders viel Radau.
Die Weiterfahrt nach Hause mit den Öffentlichen läuft problemlos, nur nach dem Bus muss ich dann rennen – sah bestimmt lustig aus. Ich steige aus dem Bus und schlagartig habe ich so einen Druck auf das Schambein und es fühlt sich im Becken ganz anders an. Vorsichtig watschel ich nach Hause, wo mich Päckchen mit Stoffwindeln erwarten. Ich bin im 7. Muttihimmel! Am meisten hat es mir die AiO Newborn von Thirsties angetan! Sie ist ja so winzig!
Zum Abendbrot koche ich uns noch eine Kürbissuppe, es bleibt noch etwas zum Einfrieren übrig.

Dienstag

Spontan kommen meine Eltern zu Besuch und gehen mit mir einkaufen. Zu Hause kocht meine Mama und wir probieren neue Kaffeepadmaschine aus.
Gegen 17 Uhr gehe ich auf die Toilette und sehe, dass sich der Schleimpfropf gelöst hat. Ziemlich panisch schreibe ich meinem Mann eine Nachricht. Zum Glück ist der schon auf dem Heimweg. Wir gehen eine Runde spazieren und es tut gut ihm meine Gefühle dabei anzuvertrauen. Ich bin unendlich nervös, auch wenn ich weiß, dass es nach Ablösen des Pfropfes noch eine Woche (oder länger!) bis zur Geburt dauern kann. Gleichzeitig freue ich mich, unseren Sohn endlich in den Armen zu halten und habe Angst vor der Geburt. Bin ich wirklich schon bereit? Ich wünsche mir so sehr, dass es heute Nacht los geht, aber andererseits habe ich die Schwangerschaft auch sehr genossen.

Mittwoch

Noch immer schwanger und der Kleine turnt heute als wäre ich in der 34. SSW und nicht zwei Tage über den Termin. Ich faulenze heute rigoros und genieße es, noch einmal ohne jegliche Verantwortung oder Verpflichtung auf der Couch zu gammeln.
Heute trifft auch die heiß ersehnte Windellieferung aus England ein und ich beginne sofort mit dem Einwaschen. In größeren Abständen habe ich immer mal das Gefühl, dass der Bauch hart wird, außerdem geht noch immer etwas Schleim ab.
Als ich das abends meiner Hebamme beim CTG-Schreiben erzähle, erfahre ich, dass nach Schleimpfropfenabgang oft nur 48 Stunden bis zur Geburt vergehen. Ich versuche aber trotzdem, nicht all zu sehr darauf zu bauen. Und doch – wer weiß, was die Nacht bringt?

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...sie brachte unser kleines Wunder. Hier die letzte Aufnahme des Bauches, einen Tag vor der Geburt.